Busse wegen legalem Cannabis – ein «Kindergartenspiel»?

Veröffentlicht am 28.08.2016

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Sie sehen gleich aus, sie riechen und schmecken gleich, sie stammen von der gleichen Pflanze – und doch: die eine Pflanze ist eine Droge, die andere ein legal verkauftes Genussmittel. Seit vergangener Woche verkauft die Bio Can AG rauchbares Cannabis, weil die gezüchtete Pflanze einen THC-Wert von unter einem Prozent aufweist und darum nicht vom Betäubungsmittelgesetz kriminalisiert wird.
Weil das legale vom illegalen Cannabis mit blossem Auge nicht zu unterscheiden ist, beschlagnahmt die Zürcher Stadtpolizei auch das rechtmässig erworbene Produkt und büsst die kontrollierte Person mit 100 Franken, dies erklärte Sprecher Cortesi gegenüber dem Blick: «Betroffene hätten aber die Möglichkeit ein Verfahren einleiten zu lassen. Dann werde das Cannabis beschlagnahmt und analysiert. Liegt der THC-Gehalt tatsächlich unter einem Prozent, erhält der Käufer das Produkt zurück – ohne Kostenfolge.»

Für Dario Tobler von der BioCan AG ist dieses Verhalten der Polizei «ein Kindergartenspiel». Wegen der grossen Verwechslungsgefahr sei es zwar verständlich, dass die Polizei nicht nichts machen könne, wenn sie jemanden mit Cannabis erwische, doch das sofortige Ausstellen einer Busse sei wohl Teil einer Einschüchterungspolitik. Seinen Kunden rät Tobler: «Bei einer polizeilichen Kontrolle sollen die Leute nichts unterschreiben und auf keinen Fall die Busse bezahlen». Sorgen um sein Geschäft macht sich der Unternehmer nicht. Schliesslich hätten sich weder er noch seine Kunden etwas zuschulden kommen lassen – und nach erfolgter Analyse merke auch die Polizei, dass sein Cannabis legal erworben und besessen werde.

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Schweizweit verkaufte Tobler in der vergangenen Wochen einige hundert seiner Säckchen mit dem THC-freien Cannabis, doch alleine in der Stadt Zürich dürften ungefähr 15’000 Personen kiffen (2,7 Prozent der Schweizer Bevölkerung): Wenn die Polizei also jemand mit Cannabis erwischt, ist dies mit der allergrössten Wahrscheinlichkeit illegal. Die zentrale Frage ist darum nicht, warum Besitzende eines legalen Produktes gebüsst werden. Die zentrale Frage ist, warum die Polizei noch immer Kiffer, die wohl harmlosesten «Verbrecher», jagt. Auch die AL, die Partei von Polizeichef Wolff, hat die Senkung der Cannabis Bussen als einer ihrer Legislaturschwerpunkte formuliert.
SP-Gemeinderätin SP-Gemeinderätin Linda Bär geht noch einen Schritt weiter und sieht die einzig richtige Lösung für das Problem in der «Entkriminalisierung aller Kiffer und Kifferinnen.»

Titelbild: Screenshot/Instagram